Mythologie

Seit das Rind zum Haustier wurde, war es für den Menschen sehr wertvoll. Es entstanden Mythen, Sagen und Legenden,in denen Rinder eine wichtige Rolle spielen. Die Tiere waren in vielen Religionen als Opfer oder heilige Tiere bedeutend.

Viele Menschen glauben bis heute, dass Astrologen die Zukunft aus der Stellung von Sonne, Mond, Sternen und Planeten berechnen können. Ein Sternzeichen ist der Stier. Ein Tierkreis der chinesischen Astrologie ist der Büffel.

Altägypten

Die meisten ägyptischen Götter sind tiergestaltig. Manchmal sind sie menschlich mit tierischen Merkmalen dargestellt. Typisch für die Himmelsgöttinnen (Hathor, Nut, Isis) ist, dass sie mit den Himmelskühen gleich gesetzt werden. Sie tragen immer die Sonnenscheibe zwischen ihren Hörnern.

Das christliche Alte Testament, das dem jüdischen Tanach entspricht, berichtet u. a. vom Leben der Juden in Ägypten. Dazu gehört auch die Geschichte von Josef, der für den Pharao Träume deutete. Der Pharao sah sieben fette und sieben magere Kühe in seinem Traum aus dem Nil kommen, die das Riedgras fraßen. Josef sagte ihm, dass die Kühe für sieben fruchtbare Jahre stehen würden, denen sieben Jahre Hungersnot folgen würden. Aus diesem Traum entstand ein Steuersystem, das Saatgut und Nahrung für schlechte Jahre in Speichern bereithielt.

Moses (um 1.250 v. Chr.) führte während der Regierungszeit Ramses II. die Juden aus Ägypten. Damals entstanden die Gesetzestafeln, die die Zehn Gebote genannt werden. Die ersten beiden Gebote lauten Du sollst keine fremden Götter neben mir habenund Du sollst dir kein Bildnis machen. Während Moses fort war, wurde aus dem Goldschmuck der Flüchtlinge das Goldene Kalb gegossen, das wie bei den Ägyptern als Gottesbild verehrt wurde. Als Moses zurückkehrte, wurde das Goldene Kalb zerschlagen und alle, die es angebetet haben, getötet. Das Sprichwort Tanz um das Goldene Kalb - gemeint ist, den falschen Dingen anzuhängen, den falschen Zielen zu folgen - bezieht sich auf diese Geschichte.

Gilgamesh

Das sumerische Gilgamesh-Epos entstand um 2.700 v. Chr. in Mesopotamien, dem heutigen Irak. Die Texte wurden wahrscheinlich um 1.800 v. Chr. in Keilschrift auf Tontafeln geschrieben. Der mächtige Herrscher von Uruk wird in dieser Geschichte zum göttlichen Helden. In einer seiner Heldentaten muss er den gefürchteten Himmelsstier, der das Land verwüstet,besiegen.

Mithras

Mithras wurde in Persien, dem heutigen Iran, verehrt. Er stand für Recht, Bündnisse und war auch der Sonnengott. Die ältesten Texte wurden um 1.350 v. Chr. aufgeschrieben. Viele Herrscher trugen seinen Namen (Mithridates). Stieropfer gehörten zu den Zeremonien. Durch das Opfer, das Blut und den Samen sollte sich die Welt erneuern. Auf Steinreliefs ist Mithras immer gemeinsam mit dem Stier abgebildet, den er tötet. Mithras hatte sehr viele, ausschließlich männliche Anhänger im Römischen Reich.

Griechische Mythologie

Kühe und Stiere spielten in der griechischen Mythologie immer wieder eine bedeutende Rolle.

Die griechischen Götter sehen nicht nur wie Menschen aus, sie verhalten sich auch so. Oft ist ihr Benehmen so schlecht, dass sie kein gutes Vorbild geben. Der Göttervater Zeus war der Meister des schlechten Benehmens. Er bereitete seiner Frau, der Göttermutter Hera, viel Ärger und Kummer. Zeus hatte ständig ein Auge auf hübsche Menschenfrauen. Darunter auch auf Europa, die Tochter des phönizischen Königs. Damit Hera von dem Ehebruch nichts bemerkte, verwandelte sich Zeus in einen weißen Stier. Europa streichelte den schönen und zahmen Stier und setzte sich schließlich auf das Tier. Zeus nützte dies aus und entführte die Prinzessin aus Asien nach Europa, dem Kontinent, der bis heute ihren Namen trägt. Der Zeus-Stier schwamm mit ihr über das Meer nach Kreta. Einer ihrer drei Söhne war Minos.

Minos wollte König von Kreta werden. Er bat den Bruder des Zeus, den Meeresgott Poseidon, um ein Opfertier. Sein Onkel Poseidon schickte ihm einen weißen Stier. Minos erhielt den Thron, weigerte sich aber den schönen Stier Poseidon zu opfern und verwendete ihn als Zuchtstier für seine Herde. Daraufhin veranlasste der beleidigte Poseidon, dass sich Pasiphaë, die Ehefrau des Minos, in den Stier verliebte. Minotauros wurde der stierköpfige Sohn der beiden genannt. Minos sperrte das Mischwesen inein Labyrinth. Befreit wurde Minotauros von Herakles, ebenfalls ein Sohn des Zeus, während der siebten seiner zwölf Aufgaben. Er brachte Minotauros auf die Peloponnes, die dieser verwüstete. Kreta und Athen führten Krieg, den die Kreter durch Zeus gewannen. Neun Jahre zahlte Athen menschlichen Tribut an Kreta. Jährlich wurden 7 Mädchen und 7 Burschen aus Athen dem Minotauros geopfert. Theseus tötete schließlich mit der Hilfe von Ariadne, der Tochter des Minos, den Minotauros.

Herakles, der den Minotauros besiegte, musste als fünfte seiner zwölf Aufgaben den Stall des Augias ausmisten. Augias war der Sohn des Sonnengottes Helios. Als König von Elis auf der Peleponnes, war Augias unermesslich reich. Er besaß 3.000 Rinder und einen Stall, der 30 Jahre nicht ausgemistet worden war. Nur ein Halbgott wie Herakles, er war einer der vielen Söhne des Zeus, konnte einen solchen Rinderstall in nur einem Tag säubern. Augias versprach ihm für die Tat 300 Rinder. Da Augias den Lohn nicht zahlen wollte, brach Krieg aus, den Herakles gewann. Um den Sieg zu feiern, wurden die Olympischen Spiele zu Ehren des Zeus gegründet.

Als Zeus wieder einmal verliebt war, wurde Io seine heimliche Geliebte. Die Tochter des Flussgottes Inachos wurde schnell von Hera entdeckt. Um sie vor Hera zu verstecken, verwandelte sie Zeus in eine silberglänzende Kuh. Hera forderte die Kuh als Geschenk von ihrem untreuen Ehemann. Danach ließ Hera die Silberkuh vom hundertäugigen Riesen Argos bewachen. Von Zeus beauftragt, schläferte der Götterbote Hermes den Wächter mit Flötenmusik ein. Hera bemerkte die Flucht und sendete die für Rinder gefährliche Dasselfliege hinter Io her. Auf ihrer panischen Flucht durchschwamm sie das nach ihr benannte ionische Meer. Zuletzt überquerte sie den Bosporus (griechisch für Rinderfurt). Die Flucht führte über Asien bis Ägypten, dort flehten die erschöpfte Io und der reuige Zeus schließlich um Gnade. Hera gab Io in Ägypten die menschliche Gestalt zurück. Für die Griechen war in der Antike Io dieselbe Person wie die ägyptische Göttin Hathor.

Dem Sonnengott Helios waren Rinder heilig. Odysseus legt bei seinen Fahrten an seiner Insel an. Seine Gefährten schlachten trotz Warnung die heiligen Rinder. Zur Strafe starben alle bis auf Odysseus im nächsten Sturm.

Römischer Kult

Die etruskische und griechische Kultur bilden die Grundlagen römischer Mythologie. Menschen verschiedener Gebiete und vielfältiger Kulturen machten das Römische Imperium zu einem mächtigen Staat mit zahlreichen Glaubensrichtungen. Durch das ständige Verlagern der militärischen Truppen in Krisengebiete wurden die Glaubensvorstellungen der Legionäre, die aus allen Gebieten des riesigen Weltreichs stammten, verbreitet.

Mit dem Zweiten Punischen Krieg (218 - 201 v. Chr.) begann der Kult der Kybele. Das Märzfest der Großen Mutter wurde zwischen 22. und 27. März gefeiert. Im Taurobolium (Taurus ist lateinisch für Stier) wurden Stiere geopfert. Die wichtigsten und beliebtesten Traditionen antiker Hochkulturen, ihre Tempel und ihre Feste wurden in das christliche Brauchtum übernommen. Der Petersdom in Rom ist über einem Tempel der Kybele mit einem Taurobolium entstanden. Erst als Maria beim Konzil von Ephesos 431 n. Chr. zur Mutter Gottes erklärt wurde, verschwand der Kult der Großen Mutter Kybele.

Christliche Symbolik

Den vier Evangelisten sind Symbole zugeordnet. Das Symbol des Evangelisten Lukas ist der geflügelte Stier. Schutzpatron des Hornviehs ist der Heilige Kornelius. Ihm ist immer ein Stier zu Seite gestellt. Die Heilige Edigna flieht vor einer ungewollten Ehe mit einem Ochsen.

Modernes Brauchtum

Im mediterranen Raum waren in der Antike Feste und Zeremonien, in denen Rinder eine Rolle spielten, weit verbreitet. Kämpfe zwischen Stieren und Menschen waren rund um das Mittelmeer bekannt. Stierkämpfe sind ein Überbleibsel dieser antiken Traditionen. Stierkämpfe überdauerten Jahrtausende und überstanden sogar das Christentum. Manche Arenen werden seit der Römerzeit benutzt. Bekannt ist besonders das bis heute erhaltene Amphitheater in Nîmes in Frankreich. Spanien, Portugal und Südfrankreich haben den Stierkampf bis heute beibehalten. Durch die Spanier und Portugiesen kam der Stierkampf auch in die Kolonien, vor allem nach Mittel- und Südamerika. Geehrt wird nach dem Kampf sowohl der Torero als auch der Stier. Das Fleisch des Stieres dient oft wohltätigen Zwecken.

Beim Almauftrieb im Frühjahr und beim Almabtrieb im Herbst werden Kühe im alpinen Raum in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit besonders üppigem und buntem Kopfschmuck aufgezäumt. Der herausgeputzte Pfingstochse ist sprichwörtlich für einen besonders auffallend gekleideten Menschen geworden.