Abstammung

Der Ur- oder Auerochse gilt als Stammvater sämtlicher Hausrinderrassen. Beheimatet war der Auerochse in Vorderasien, Nordafrika und Europa. Sein Aussehen ist durch Höhlenbilder, Skelettreste aus dem gesamten Verbreitungsgebiet und, da er erst in der Neuzeit ausstarb, durch Abbildungen in Büchern überliefert. Die eiszeitlichen Stiere waren besonders groß. Sie erreichten eine Körperlänge von über 3 Metern, eine Schulterhöhe von fast 1,90 Metern und ein Gewicht von bis zu 1.000 Kilo. Die Kühe waren mit einer Schulterhöhe von 1,50 Metern deutlich kleiner. Die kleineren nacheiszeitlichen Tiere hatten noch immer eine stattliche Schulterhöhe zwischen 1,40 und 1,60 Metern. Ihre Hörner waren bis zu 80 Zentimeter lang. Sie waren nach vorne geschwungen und hatten schwarze Spitzen. Das Fell war rötlich braun.

Bejagung und Rodung von offenen Wäldern, dem natürlichen Lebensraum des Auerochsen, führten zu seinem Aussterben. Der wildlebende europäische Auerochse ist trotzdem erst spät ausgestorben. Der letzte bayrische Auerochse wurde um 1470 gejagt. 1627 starb die letzte Kuh in Jaktorów (Polen).

Versuche zur Rückzüchtung (Dedomestikation) des Auerochsen aus Hausrindern wurden ab den 1920er Jahren durch die Brüder Heinz und Lutz Heck, Zoodirektoren in München und Berlin, vorgenommen. Die heute lebenden, nach ihnen benannten Heckrinder sind dem Auerochsen äußerlich sehr ähnlich. Sie werden in Naturreservaten, einigen Tierparks und im Münchner Zoo gehalten. Seit 1996 werden weitere Rückzüchtungsversuche mit Heckrindern unternommen. Das mächtige Taurusrind ist das Ergebnis der Einkreuzung sehr großer Rinderrassen. Da die Tauruskälber sehr schnell an Gewicht zunehmen, sind sie wissenschaftlich und wirtschaftlich interessant.

Wildrinder wurden im Nahen Osten domestiziert. Die Domestikation des europäischen Hausrindes (Bos primigenius taurus) lässt sich auf den vorderasiatischen Ur - auch Auerochse (Bos primigenius namadicus) genannt - vor mehr als 10.000 Jahren zurückführen. 

In Asien wurden zudem noch Yak (Bos mutus), Banteng (Bos javanicus) und Gaur (Bos gaurus) zu Haustieren. Büffel gehören auch zur Gattung der Rinder. Von ihnen wurde der Wasserbüffel (Bubalus) domestiziert.

Zucht dient der Verbesserung gewünschter Eigenschaften. Die ersten Hausrinder waren wesentlich kleiner als ihre Stammformen. Durch gezielte Fortpflanzung jener Tiere, die gewünschte Eigenschaften besitzen, entstehen Rassen. Daher liefern manche Rinderrassen mehr Milch, andere mehr Fleisch. Doppelnutzungsrassen sind Fleisch- und Milchlieferanten. Züchtungen unterschiedlicher Rassen lassen sich teilweise weit zurückverfolgen. So wurde bereits im Mittelalter das Fleckvieh im Berner Oberland gezüchtet. Nach Österreich kam die Doppelnutzungsrasse erst Anfang des 19. Jahrhunderts. Heute sind 80% der österreichischen Rinder Fleckvieh.