Geschichte

Wiener Schnitzel, Tafelspitz, Rindsrouladen, Steaks, Rostbraten und andere klassische Rindfleischgerichte gehören zur österreichischen Küche. Weltweit stehen diese Gerichte auf den Speisekarten der besten Restaurants. Was heute als selbstverständlich gilt, hat eine lange Vorgeschichte:

Wildrinder wurden im Nahen Osten domestiziert. Die Abstammung des europäischen Hausrindes (Bos primigenius taurus) lässt sich auf den vorderasiatischen Ur - auch Auerochse (Bos primigenius namadicus) genannt - vor mehr als 10.000 Jahren zurückführen. Der wildlebende europäische Auerochse ist daher nicht der Stammvater unserer heutigen Hausrinder. Der europäische Auerochse ist erst spät ausgestorben. Der letzte bayrische Auerochse wurde um 1470 gejagt. 1627 starb die letzte Kuh in Jaktorów (Polen).

Seit mindestens 8.000 Jahren gehören die Nachfahren dieser anatolischen und iranischen Hausrinder in Europa zum Alltag des Menschen. Sie waren Milch- und Fleischlieferant, nützliche Arbeitskraft und ihre Kuhfladen waren Baumaterial sowie Dünger für die Felder. Ein Rind war somit sehr wertvoll. Es wurde nicht leichtfertig geschlachtet und nichts von ihm wurde verschwendet. Aus der Haut wurde Leder hergestellt. Der Darm konnte als dünne Haut für regenfeste Bekleidung verwendet werden oder als Wursthaut dienen. Die Blase war ein idealer Wasserbehälter. Die Knochen wurden zu Werkzeugen, Waffen, Gerätegriffen, Knöpfen, Schmuck, Musikinstrumenten oder Spielzeug verarbeitet und zu Seife verkocht. Die Sehnen konnten, wie er Name schon sagt, u. a. als Bogensehnen oder als Schnur und Faden zum Binden oder Nähen verwendet werden. Die Hörner wurden wie Trophäen aufgehängt oder es wurden aus ihnen Schmuck, Behälter oder Trinkgefäße hergestellt.

Rinder waren als Arbeitskraft sehr wichtig. Sie wurden als Zugtiere vor den Pflug gespannt. Nordeuropäische Felsbilder und ägyptische Wandmalereien zeigen Rinder, die Pflüge ziehen.

Die religiöse Verehrung und Opferung von Rindern war während aller Epochen und in vielen Kulturen verbreitet. Die Jäger und Sammler der Altsteinzeit malten Bilder von Auerochsen an Höhlenwände. Steinzeitliche Bauern formten Rinderfiguren aus Ton. Während der Kupferzeit kamen Räder und Wagen dazu. Bronzezeitliche Felsbilder zeigen Bauern, die Rinder vor ihren Pflug gespannt haben.
Die Bedeutung von Rindern in Schöpfungsmythen und Sagen verschiedener Völker – ob in Altägypten, Persien oder Griechenland – belegen den hohen Wert des Rindes für die Menschen. Auch in Österreich gehörten Rinder von der Urgeschichte bis in die Römerzeit zu religiösen Zeremonien. Zahlreiche Objekte wurden mit Darstellungen von Rindern verziert. Während der älteren Eisenzeit, der Hallstattzeit (um 750 - um 450 v. Chr.), gab es große und kunstvolle Grabgefäße, die wie Rinder geformt waren oder Rinderköpfe trugen.

Für Wien, Hauptstadt des großen Habsburgerreiches, sind Fleischbänke, also die Marktstände von Fleischhauern, am Hohen Markt (später am Fischertor), am Graben, in der Kärntnerstraße, am Lichtensteg und bei St. Michael teilweise ab dem Mittelalter überliefert. Eine Straße im 1. Bezirk heißt bis heute Fleischmarkt. Der Wiener Stadtteil St. Marx war vom 19. Jahrhundert bis vor wenigen Jahren untrennbar mit Viehmarkt und Schlachthaus verbunden.

Das Rind war bis zur Verbreitung des Erdapfels leichter und billiger zu halten als das Schwein. Bei der Schlachtung lieferte das Rind die fünffache Fleischmenge. Rindfleisch war in der Habsburgermonarchie die am weitesten verbreitete Fleischsorte.